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Gedanken zur Marktlage Dezember 1999

Nach einem guten, sehr erfreulichen Geschäftsjahr ist es immer viel angenehmer Rückschau zu halten als nach schwierigen Zeiten. Die konjunkturelle weltweite Erholung, die erneut recht tiefe Arbeitslosenrate in der Schweiz, die historisch tiefen Zinssätze am Kapitalmarkt und die allgemein sehr positiv beurteilten Aussichten für das kommende Jahr haben bei den Alt-Schweiz-Sammlern ganz allgemein zu einer positiv veränderten Grundstimmung geführt, die sich auch in einer verstärkten Kaufbereitschaft ausgedrückt hat. Ich gehe davon aus, dass diese Entwicklung auch im neuen Jahre anhalten und sich wohl noch weiter verstärken wird.

Lassen Sie mich einige Punkte erwähnen und ansprechen, die mir wichtig erscheinen:



Marktentwicklung:



In diesem Jahre haben wir eine verstärkte Nachfrage nach Alt-Schweiz-Marken vor allem auch aus dem Ausland erfahren. Es gibt Leute, die dies bedauern, weil dadurch natürlich ein Teil unserer alten Marken, die zweifelsohne ein Schweizer Kulturgut darstellen, ins Ausland abwandern. Ich selber sehe dies etwas anders. Einmal abgesehen von der Frage, ob denn Kulturgüter immer nur im eigenen Land bewahrt und geachtet werden müssen stellt diese Auslandsnachfrage für mich auch ein sehr schönes Zeichen der internationalen Wertschätzung für unsere klassischen Marken dar, auf die wir durchaus stolz sein dürfen! Denn wissen Sie, dermassen viele andere Briefmarkenländer gibt es auch wieder nicht, die international eine so grosse Beachtung finden! Abgesehen davon war es zu allen Zeiten so, dass grosse, ja, meist sogar die allergrössten Alt-Schweiz-Sammlungen sich im Ausland befanden. Es wäre gar nicht möglich, in der Schweiz allein all unsere alten Marken zu platzieren.



Weiter haben wir wohl noch in keinem Jahr dermassen viele Anfragen von Kollegen erhalten, denen wir in wahrscheinlich mehr als 95% aller Kundenanfragen die gewünschten Nummern kommissionsweise innert meist 24 Stunden zur Verfügung stellen konnten und weiterhin auch können. Mich ehrt solch eine Nachfrage von Kollegenseite und motiviert mich, weiterhin marktstützend dort einzugreifen, wo all zu viel Ware auf einmal auf den Markt geworfen wird und deshalb von diesem gar nicht aufgenommen werden kann.



Sammlerverhalten:



Es scheint in der menschlichen Natur zu liegen, dass wir uns vorzugsweise dort wohl fühlen und entfalten möchten, wo wir uns auch willkommen und gut aufgenommen fühlen. Viele Sammlervereine beklagen die Situation, dass sie heute kaum noch Alt-Schweiz-Sammler in ihren Reihen hätten und neue sich kaum noch finden liessen. Wenn ich mir die Aeusserungen vieler Kunden anhöre, habe ich dafür durchaus Verständnis. All zu lange hat man den Leuten eingetrichtert, dass sie nur Luxusstücke erwerben sollten. Luxusstücke im klassischen Bereich bedeuten aber fast zwangsläufig Ausgaben in Millionenhöhe. Jedenfalls dann, wenn man bei den teuersten Kantonals schon beginnt. Wenn aber einer nicht in der Lage ist, solche Beträge in ein Sammelobjekt zu investieren, so sollte er deswegen nicht entmutigt oder gar getadelt werden und auch nicht sich sozusagen gedrängt fühlen, sich für seine Stücke "entschuldigen" zu müssen. Solange die Devise gilt, lieber keine Alt-Schweiz-Marken als solche mit Mängeln, wird man weder solche Sammler in die Vereine zurückbringen, noch den diesbezüglichen Markt bereinigen können. Es ist überhaupt nicht verwunderlich, dass solche Sammler dann ihrer Sammeltätigkeit lieber in den eigenen Wänden, als in der Oeffentlichkeit eines Vereines nachgehen. Dabei hat echte Sammlerfreude primär überhaupt nichts mit der Qualität einer Marke zu tun! Und auch nicht mit dem Preis. Einzig stimmen muss er!



Ich entsinne mich noch sehr gut an die erste ungezähnte Marke, die ich als Schüler von einem Klassenkameraden eintauschen konnte. Es handelte sich um eine Rayon II. Eine angeschnittene Rayon II übrigens, denn eine fehlerfreie hätte ich mir damals gar nicht leisten können. Ich habe diesen Tausch nie bereut. Auch dann nicht, als Jahre später klar wurde, dass ich dafür eine ganze Reihe hochwertiger postfrischer Vatikanmarken der besten Jahre dafür gegeben hatte. Für mich war dies der erste Kontakt mit der Klassik und der hat mir sehr viel mehr gebracht, als der Minderwert, der sich nachher ergab. Wenn man nie die Freude des Erwerbs eines lange gesuchten und erträumten Stückes und damit einen echten Besitzerstolz erlebt hat, kann man dies wohl nie verstehen und nachvollziehen.



Wir alle sollten dazu beitragen, dass Sammler in der Ausübung ihres Hobbys ermutigt werden und Freude empfinden. Das soll auch schon beim Kauf bei einem Händler der Fall sein. Nur zufriedene Kunden kehren zurück! Oder an Ausstellungen, wo der Sammler heute aber oft mehr Frust denn Lust erlebt. Wir dürften wahrscheinlich die strengsten Jurierungen weltweit bei uns in der Schweiz haben. Ob wir uns darauf aber all zu viel einbilden sollen? Das schwindende Interesse der Sammler, sich in jurierten Ausstellungen zu präsentieren lässt nicht darauf schliessen, dass man sich davon einen all zu grossen Segen als Aussteller verspricht. Genau so auch bei den Vereinen. Was der Sammler dort sucht sind ja nicht Geschichten (vor allem in preislicher Hinsicht ) aus der guten alten Zeit, sondern allenfalls eine aktuelle Hilfe in der Beurteilung und beim besten Vorgehen bei einem Sammlungsaufbau. Ist es nicht so, dass wir Menschen dazu neigen, anderen meist nur jene Sammelgebiete zu empfehlen, die wir selber auch pflegen? Wenn sich heute angeblich keine "Klassiker" mehr in den Vereinen befinden, wer soll dann dort neue Sammler zur Klassik hinführen?



In diesem Lichte betrachtet muss es erstaunen, dass sich bei uns dennoch jährlich neue Kunden für Alt-Schweiz-Marken melden. Und solange jährlich grössere Umsatzzahlen erzielt werden können, kann man nur schwerlich ernsthaft die These vertreten, das Interesse oder die Sammler von Alt-Schweiz-Marken gingen zahlenmässig zurück. Das Gegenteil ist der Fall - aber es ist möglich, um nicht zu sagen wahrscheinlich, dass diese keinen übermässigen Drang verspüren, sich in Vereinen zu engagieren.



Geburtstagssammlungen:



Etliche Sammler haben damit begonnen - leider (noch) nicht alle. Generell wird der Suche nach neuen, jungen Sammlern erste Priorität eingeräumt. Ich bin auch der Meinung, dass dies sehr wichtig ist, auch wenn ich davon ausgehe, dass praktisch alle dieser jungen "Märkeler" mit Beginn der Pubertät oder mit dem Eintritt ins Berufsleben in der Regel dann für einige Jahre die Pinzette zur Seite legen und erst 20 Jahre später, wenn man irgendwo sesshaft geworden ist und wenn häufig auch die Kinder schon ins "sammlungsfähige" Alter kommen, diese wieder zur Hand nehmen. Nach meinem Dafürhalten ist es die wahrscheinlich erfolgversprechendste Art, einem Kinde - es mag sich um einen Sohn oder um eine Tochter handeln, um ein Gross- oder Patenkind oder aber einfach um einen künftigen Erben der eigenen Sammlung - den ersten echten Bezug zu einer solchen Sammlung mit auf den Weg zu geben, wenn man diesen als Einstieg eine kleine Sammlung mit losen Stücken und auch Briefen mit dem eigenen Geburtstagsdatum vermacht. Natürlich nicht mit dem richtigen Jahr, sondern nur dem Monat und dem Tag. Ja, es soll geradezu das Ziel sein, solche Stücke aus möglichst vielen Jahren zusammen zu bringen. Ohne weiteres auch aus verschiedenen Ländern. Man wird hier kaum eine Sammlung erwarten können, die aus vielen Bänden besteht. Meist muss man zufrieden sein mit einigen einzelnen Albumseiten. Aber das genügt bereits, um mit diesen ganz persönlichen Stücken das Interesse und die Sammlerfreude auch am Rest der Sammlung zu wecken. Und es ist erfahrungsgemäss gar nicht dermassen wichtig, ob man solchermassen ganz billige Stücke zusammenträgt oder aber auch einmal einen teuren Kantonalbrief. Freude können durchaus beide bereiten. Nennen Sie uns doch jene Daten, die für Sie von Bedeutung sein könnten. Wir informieren Sie gerne, was davon in unserem Lager vorhanden wäre. Den preislichen Rahmen können Sie ohne weiteres natürlich selber festlegen. Und Sie werden überrascht sein, dass auf diese Weise sogar Ihre Angetraute etwas mehr Verständnis für Ihr Hobby aufbringen könnte, wenn sie sich mit einem eigenen Geburtstagsbriefchen beschenkt fände!



Preisliche Entwicklung:



gLassen Sie mich "zuvorderst", bei den Kantonals, beginnen. Das Angebot ist hier zwar klar zurückgegangen, hat aber doch genügt, die sehr moderaten Preise der letzten Jahre weiterhin zu halten. Sie werden bei uns viele dieser Marken zu 20-25% tieferen Preisen heute finden, als in der Hochpreiszeit. Mit Ausnahme einiger Positionen die bei uns (erstmals seit etlichen Jahren!) derzeit ganz einfach ausgegangen sind und bisher nicht ergänzt werden konnten. Jedenfalls nicht zu den tieferen Preisen der letzten Zeit. Falls nicht grössere Bestände dieser Ausgaben (aus Erbschaften z.B., die einfach liquidiert werden müssen) auf den Markt kommen und dann natürlich auch auf die Preise drücken, dürfte sich der Markt hier weiter positiv beruhigen und entwickeln. Alles in allem eine sehr günstige Zeit, mit einer Sammlung zu beginnen oder sie auszuweiten. Die Rayons, Strubel und sitz. Helvetia gezähnt (vor allem mit schönen Abstempelungen) haben ein sehr schönes Preisniveau erreicht und bilden vor allem für die Heimatsammler ein ideales Betätigungsfeld. Von einer Ueberhitzung kann man generell aber nicht sprechen. Einzig die Bewertung der selteneren Destinationen auf Auslandsbriefen scheint mir preislich oben angelangt zu sein. An guten Auktionen werden hier teilweise unglaubliche Preise erzielt, die im direkten Angebot niemals möglich wären.



Preislich zurückgebliebene Gebiete:



Die Kantonals habe ich schon erwähnt, die allgemein auf einem sehr interessanten Kaufniveau sich befinden und die das neue Kaufinteresse, das wir bei den andern Gebieten überall feststellen können, noch kaum miterlebt haben. Hier sollte man besonders auch die besseren oder gar seltenen Entwertungen heute zu erwerben versuchen, für die man derzeit noch relativ geringe Aufpreise bezahlen muss. Dies würde ich selbst dann tun, wenn es nur mit qualitativen Einbussen möglich ist.



Bei den Rayons liegen die gewöhnlichen Stücke (meist mit eidg. Rauten entwertet) nach wie vor recht günstig im Markt. Für Sammler, die Freude an Plattierungen der verschiedenen Drucksteine haben, besitzen wir nach wie vor ein nettes Lager. Für 40er Typentafeln oder für ganze Rekonstruktionen der einzelnen Drucksteine können wir sehr interessante Sonderofferten nach Ihren Wünschen unterbreiten. Sie können solche Typentafeln bei uns auch "im Abonnement" erwerben. D.h., wir legen Ihnen monatlich jene Anzahl von Typen zur Ansicht vor, die Sie haben möchten. Auf diese Weise füllen Sie Ihre Typentafeln schön langsam, aber kontinuierlich, ohne eine all zu grosse Belastung und vor allem, ohne dass Sie überzählige Dubletten mit übernehmen müssen.



Ungebrauchte Alt-Schweiz-Marken kann man heute sicher ebenfalls weiterhin sehr wohl empfehlen, weil die Preise immer noch verhältnismässig tief sind. Zwar hat die Nachfrage in den letzten zwei, drei Jahren angezogen und in einigen Nummern sind wir völlig ausverkauft (und würden dort recht gerne nachkaufen!), aber in andern können wir nach wie vor zu den alten, sicher nicht überhöhten Preisen liefern. Interessant scheinen mir diese ungebrauchten Ausgaben vor allem auch deshalb zu sein, weil hierin niemand über ein eigentliches, nennenswertes Lager verfügt. Es ist demzufolge niemals mit irgend einem Angebotsdruck zu rechnen, der sofort auf die Preise durchschlagen müsste. Paare und grössere Einheiten allgemein gehören insgesamt zu den möglicherweise heute noch am weitesten zurückgebliebenen Gebieten im Alt-Schweiz-Bereich.



Das gilt wie gesagt für alle Ausgaben, von den Kantonals gar nicht zu reden, über die Rayons bis hin zu den Strubeln und sitz. Helvetia gezähnt. Ueberlegen Sie doch nur einmal, wie manche Alt-Schweiz-Sammlungen Sie kennen, in welcher sich selbst relativ einfache Sachen wie alle Strubel im Paar oder aber alle Rayon-Drucksteine im Paar usw. befinden! Das sind keineswegs unmögliche oder gar unerschwingliche Objekte. Vor allem aber sind diese heute noch sehr preiswert zu bekommen. Noch mehr gilt dies selbstredend für noch grössere Einheiten oder Viererblocks!



Dank:



Wir befinden uns wieder einmal an der Schwelle zu einem neuen Jahr. Angeblich sogar an der Schwelle zu einem neuen Jahrtausend. Mathematiker werden hier zwar wahrscheinlich kaum zustimmen (ich auch nicht), aber es spielt weniger eine Rolle, ob wir das neue Jahrtausend dann in einem Jahr nochmals feiern sollen. So oder so ist dies ein geeigneter Zeitpunkt, unseren zahlreichen Kundinnen und Kunden, wie auch unseren Kolleginnen und Kollegen, die wir in diesem vergangenen Jahre erneut beliefern durften von Herzen zu danken. Ohne die Grundlage eines gegenseitigen Vertrauens kann ich mir solche, meist langjährigen Beziehungen gar nicht vorstellen.Und es ist gleichzeitig Ansporn, im nächsten Jahr sich um dieses Vertrauen erneut zu bemühen.



Dieser Dank gehört jedoch ebenso meiner Familie, meinem Sohn Markus, der diesen Katalog zum grössten Teil selber redigiert und im Internet unter

 http://www.ghonegger.ch

 einen vielbeachteten Firmenauftritt geschaffen hat, meiner Frau und den Töchtern, die in der Vorweihnachtszeit jeweils viel Einsatz bei der Blättergestaltung für die Filmherstellung leisten oder dann - zusammen mit zahlreichen Verwandten - das Verpacken der Kataloge zu einem geselligen Familienerlebnis machen, auf das wir alle nicht verzichten möchten.



Ich wünsche Ihnen allen viele freudige Stunden mit Ihrem Hobby auch im neuen Jahre und helfen Sie überall dort, wo es Ihnen möglich ist mit, dieses auch im neuen Jahrtausend zu dem zu machen, was es für uns alle doch schon immer war - und immer hoffentlich bleiben wird - zum schönsten Hobby der ganzen Welt und zur beglückendsten Freizeitbeschäftigung überhaupt!



Schmerikon, den 8.12.1999 Gottfried Honegger

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