03 honegger philatelie Wissenswertes

Gedanken zur Marktlage 2005

Es fällt nicht leicht, diesen Kommentar in wesentlichen Teilen anders zu formulieren als letztes Jahr. Und das ist schon eine sehr positive Aussage!
Nach weit über den Erwartungen gelegenen Verkäufen zum Jahresende folgte ein recht guter Katalogverkauf im 1. und 2. Quartal 2005, eine wie üblich ruhigere Sommerzeit und ein Anziehen der Nachfrage im Herbst. An diese sehr positiven Abläufe durften wir uns nun schon einige Jahre in Folge gewöhnen und es macht den Anschein, als würde diese erfreuliche Entwicklung in der klassischen Schweizer Philatelie (ich spreche hier nur von unserem eigenen Tätigkeitsgebiet der alten Schweizer Marken von 1843 bis ca. 1880) auch im neuen Jahre anhalten. Was spricht für diese Annahme?

  1. Das verfügbare Einkommen ist weiter angestiegen in weiten Teilen der Bevölkerung. Auch in Deutschland könnte sich eine Besserung der Konsumentenstimmung ergeben nach den Wahlen (auch wenn kurzfristig kaum viel ändern wird).


  2. Die Inflation ist nach wie vor gering. Steigende Tendenzen sind auszumachen, aber in einem moderaten Masse.


  3. Die Börsen hatten ein gutes, um nicht zu sagen sehr gutes Jahr. Viele Leute haben recht viel Geld verdient. Eine ideale Gelegenheit, mindestens die Hälfte davon abzuziehen und in einen Bereich zu investieren, der langfristig Freude bereiten kann. Auch wenn dies eine grössere Reise oder eine lang geplante Anschaffung sein könnte, warum eigentlich nicht ein paar schöne Briefmarken? Bei den nach wie vor sehr geringen Renditen von Anleihen, wird mancher Investor sich fragen, ob es nicht Sinn machen würde, einen Teil in solchermassen alternative Anlagen zu investieren, die zwar keinen Zins abwerfen, aber dafür möglicher- weise eine andere, noch viel wichtigere Rendite bringen, nämlich Freude zu bereiten vermögen.
  4. 

Weltweit gesehen kann man der konjunkturellen Entwicklung eine recht gute Prognose stellen. Eigentliche Krisen sind kurzfristig nicht zu erwarten. Unvorhergesehene Ereignisse müssen immer für möglich gehalten werden, aber wie das vergangene Jahr gezeigt hat, konnte die Welt bislang erstaunlicherweise sogar damit relativ leicht fertig werden.


  5. Nach den Höchstständen in den 70er und anfangs der 80er Jahre ermässigten sich die Preise zum Teil auch der klassischen Marken, aber in unterschiedlichem Masse. Kaum billiger wurden die Gebiete für die Heimatsammler (diese sammeln die Entwertungen eines Kantons, eines Bezirkes oder auch nur einer einzigen Ortschaft oder Stadt), die sich vor allem bei den sitz.Helvetia gezähnt, Strubel und Rayons umsehen. Jedoch kann man heute die Kantonals durchaus 20-25% billiger erwerben als damals. Wenigstens in sehr guter Erhaltung; das trifft nicht für die billigere Qualität zu, die sich preislich absolut gehalten hat. In den letzten Jahren hat sich aber kein weiterer Preisrückgang mehr ergeben und zudem ist das Angebot weltweit an diesen klassischen Schweizer Marken von Jahr zu Jahr zurückgegangen. Das muss früher oder später zu einer Marktverknappung führen, sodass man die heutige Zeit als eine ideale Einstiegszeit für eine Alt-Schweiz-Sammlung bezeichnen könnte. Ideal deshalb, weil die früheren Ueberhitzungen korrigiert wurden, die Preise jetzt doch schon einige Jahre stabil blieben, das Angebot aber vor allem seit diesem Jahr merklich zurückgegangen ist und die Aussichten weltweit als günstig beurteilt werden können.

Briefmarken - weder die modernen noch die ganz alten, klassischen - eignen sich nicht als Spekulationsobjekte. Dafür wären sie auch viel zu schade! Es sind wunderbare Sammelob-jekte, die in erster Linie Freude bereiten sollen und die in der Regel während vielen Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten aufgebaut werden. Einigermassen stabile Preise (mit langfristig leicht steigender Tendenz) sind deshalb viel erwünschter und verlässlicher, als wilde Preisausbrüche nach oben, denen unweigerlich auch solche nach unten zu folgen pflegen.

Beurteilung der einzelnen Sammlungssparten:



Kantonals: Luxusstücke sind seit den Höchstständen etwas billiger geworden.
Die Preise haben sich nun aber seit einigen Jahren stabilisiert Mittlere und mindere Qualität hat die Preise absolut gehalten. Wir haben bei letzteren Lieferprobleme und sind am Ankauf sehr interessiert. Um dies zu unterstreichen unterbreiten wir gerne folgende Offerte: falls Sie Kantonals mit gewissen kleinen bis grossen Mängeln besitzen und diese gerne bei uns durch fehlerfreie Stücke ersetzen möchten, so nehmen wir Ihre fehlerhaften Stücke zu einem Vorzugspreis im Austausch an Zahlung! Machen Sie einen Versuch!

Rayons:Preise stabil, keine Ueberhitzungen. Das Plattieren der verschiedenen Druck-steine hat neue Freunde gewonnen. Solange unser diesbezügliches Lager ausreicht, werden die alten Preise bestehen bleiben.
Da keine grösseren Posten auf dem Markt oder in Sicht sind, dürfte sich dies nachher ändern. Bei Fragen zu den Drucksteinen wenden Sie sich ungeniert an uns.

Strubel: Normale, nicht überhitzte Preise. Die Ansätze für Briefe nach seltenen Destinationen haben sich richtigerweise zurückgebildet und heute kann man auch dort von einem "normalen" Markt sprechen. Für Heimatsammler eines der wichtigsten und auch ergiebigsten Gebiete!

Sitzende Helvetia gezähnt / Ziffermarken: Obwohl auch dieses Gebiet zu den wichtigsten für die Heimatsammler gehört, haben wir hier völlig normale Preise. Keine Ueberhitzungsgefahr. Bei den Belegen nach seltenen Destinationen haben sich die preislichen Uebertreibungen an guten Auktionen zurückgebildet.



Ungebrauchte Alt-Schweiz-Marken: Es haben sich hier neue Sammler gefunden.
Dennoch gilt dieses Gebiet - vorab für die ungezähnten Marken - nach wie vor als preislich zurückgeblieben und damit sehr kaufenswert. Bei einigen Nummern dort gibt es kaum Angebote, und schon gar nicht in jeder möglichen Erhaltungsstufe, sodass man bisweilen froh sein muss, überhaupt etwas angeboten zu erhalten. Billigere Drucksteine bei den Rayons und die gewöhnlichen Ausgaben der Strubel sind vorhanden. Bei den selteneren Platten / Ausgaben ist das Angebot bereits lückenhaft. Einige wenige neue Sammler könnten hier den Markt recht bald und ohne grosse Probleme leerkaufen.

Heimatsammler: Diese tragen die Entwertungen eines Kantons, eines Bezirkes oder auch nur einer Ortschaft zusammen, zu der sie eine bestimmte persönliche Beziehung haben. Diese Art einer Sammlung hat den grossen Vorteil, dass man keine offensichtlichen Lücken in der Sammlung drin aufweist. Man beachtet das, was vorhanden ist und stört sich nicht an den Lücken im Album drin. Vor allem für Sammler mit einem limitierten Budget (aber keinesfalls nur für diese!) ist dies eine ideale Form einer persönlichen Sammlung, die niemand einfach kopieren kann. Durch solch eine intensive Hinwendung zu einem beschränkten Gebiet bilden sich dafür nicht selten grosse Kenner und Spezialisten, die für diesen Bereich wesentlich grössere Kenntnisse und Erfahrungen aufweisen, als Prüfer oder Händler. Darin liegt nicht zuletzt für die Philatelie als Forschungsgebiet ein sehr grosser Gewinn!

Geburtstagssammlungen: Die wohl idealste Einstiegshilfe für einen jungen Sammler! Man versteht darunter das Zusammentragen des Geburtstagsdatums des möglichen Nachfolgers oder des Kinder oder Enkels oder Patenkindes (nur Tag und Monat im Datum, aus möglichst vielen Jahren). Dies ist als Sammlungsbeginn gedacht. Dadurch entsteht eine ganz perönliche Sammlung, eine persönliche Beziehung zu diesem Sammelobjekt und nicht einfach ein blosses Erbstück, für das man kaum eigene Freude aufzubringen vermag und das man deshalb - als Erbe - bald einmal zu veräussern gedenkt. Die Aussicht, für die eigene Sammlung einen Nachfolger zu haben, der sich (eben wegen dieser persönlichen Beziehung!) sogar für die Sammlerei zu interessieren vermag, ist eine grosse Beruhigung und Befriedigung für einen Sammler. Vor allem, wenn er seinem Hobby selber schon einige Jahrzehnte gefröhnt hat!

Persönliche Zielsetzung für uns alle: Nehmen Sie sich vor, mindestens einen neuen Sammler zu gewinnen und zu motivieren! Sei dies innerhalb oder ausserhalb Ihrer Familie oder Ihres Bekanntenkreises. Damit helfen Sie mit, auch künftig Interessenten für unsere schönen Schweizer Marken zu haben - nicht zuletzt vielleicht eines Tages für Ihre eigenen!

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