03 honegger philatelie Wissenswertes

Kommentar zu den einzelnen Markengebieten

Kantonals: Die "grossen" Kantonals sind sehr gut nachgefragt worden und die entsprechenden Preise vielfach stark gestiegen gegenüber den letzten Jahren.
Insbesondere gilt dies für die ganz grossen Seltenheiten wie diesen Marken in Paaren - und zwar lose wie auch auf Briefen. Wenn Sie hier zu den bisherigen Preisen noch kaufen können, sollten Sie dies bald tun. Die kleinen Kantonals (also alle Genfer Adler, Waadt 5, Zürich 6, aber auch Neuenburg und Winterthur) sind preislich vorderhand noch unverändert. Hier sollten Sie noch nicht mehr dafür bezahlen müssen. Angesichts der guten Konjunktur scheint es aber möglich, dass es auch hier gelegentlich zu einer Aenderung nach oben kommen wird. Bei den halben Doppelgenf und den Neuenburg und Winterthur liegen die Nettopreise im Verhältnis zu den Katalogpreisen etwas tiefer als bei den übrigen Kantonals. Man kann sich fragen, ob eine massvolle Reduktion dieser Katalogpreise und damit eine prozentuale Angleichung der Nettopreise an die Katalogpreise der andern Kantonalmarken nicht klarere Verhältnisse schaffen würde. Die Nettopreise dieser Nummern würden dadurch keineswegs ändern, nur das prozentuale Verhältnis zu den Katalogpreisen. Die Nachfrage nach Besonderheiten, insbesondere besseren oder gar seltenen Entwertungen auf den Kantonalmarken ist erfreulich gestiegen (auch in minderer Erhaltung).

Rayons und Strubel: In diesen Gebieten wurden die grössten existierenden Sammlungen aufgelöst. Deshalb bietet sich hier nicht nur die Möglichkeit aus einem reichhaltigen und qualitativ meist hochwertigen Angebot auswählen zu können. Es wäre eine ideale Zeit, hier eine schöne und "grosse" Sammlung jetzt zu starten. Das gilt vor allem auch für Sammler, die Freude an der Rekonstruktion der Rayon-Drucksteine in ganzen Typentafeln haben. Die Preise in diesen Gebieten sind sehr vernünftig und das Material aus obigen Gründen vorderhand noch reichhaltig. Eine ideale Einstiegszeit also.

Heimatsammlungen: Wenn Sie nicht über die Mittel verfügen, eine "komplette"
Alt-Schweiz-Sammlung mit den grossen, recht teuren Nummern anzustreben, so bietet das Gebiet einer Heimatsammlung eine ideale Ausweichmöglichkeit.
Dabei sammeln Sie die Entwertungen eines Kantons oder auch nur eines Bezirks oder gar nur einiger oder einer einzigen Ortschaft. Das ist natürlich finanziell in den meisten Fällen sehr viel weniger aufwendig und bietet dennoch ein wunderschönes Betätigungsfeld. Wir beraten Sie gerne, welche Gebiete derzeit stark gesammelt werden und welche derzeit "brach liegen" und sich für einen Sammlungsbeginn deshalb geradezu anbieten.

Geburtstagssammlungen: Vor allem im Hinblick auf die Weitergabe einer vorhandenen Sammlung an einen Nachkommen stellt dies eine hervorragende "Einstiegshilfe" für einen Neu-Sammler dar. Dabei wird das Geburtstagsdatum des Betreffenden gesucht. Aber nicht das Jahr, sondern nur der Monat und der Tag in möglichst vielen verschiedenen Jahren und mit möglichst vielen Stempeln oder Belegen. Durch dieses persönliche Datum wird eine Sammlung auch für einen Laien nicht einfach zu einer x-beliebigen Briefmarkensammlung, sondern sie erhält automatisch auch eine ganz persönliche Note. Solch ein Objekt veräussert man deshalb auch kaum. Der Beschenkte behält es vielmehr in Ehren! Diese Geburtstagssammlung ist als "Vorspann" zur weiteren, normalen Sammlung gedacht. Als Einführung sozusagen. Sie können hier nicht mit all zu viel Material rechnen, sondern werden zufrieden sein müssen, wenn sich mit den Jahren einige Blätter damit ergeben. Das genügt aber vollkommen, wie Sie sich selber überzeugen können!
Ob Sie solche Geburtstagssammlungen nun für Ihre Kinder, Patenkinder, für Ihre Frau Gemahlin oder sonst eine zu beschenkende Person anlegen, ist eigentlich egal. Sie helfen damit einfach mit, der Philatelie einen (oder
mehrere) neue Sammler zu gewinnen! Und genau darauf sind wir alle doch angewiesen, dass wir neue Sammler bekommen, die in der Lage sind Ihre eigene Sammlung aufzunehmen - sei dies nun als Beschenkte oder aber als Käufer.
Interessanterweise ist es übrigens so, dass sich das Sammlerinteresse in vielen Fällen gar nicht unbedingt vom Vater auf den Sohn überträgt, sondern eher häufiger vom Sammler auf seine Enkel!

Ungebrauchte Ausgaben: Wie Sie wissen, pflege ich die ungebrauchten Alt-Schweiz-Marken seit etlichen Jahren zu empfehlen. Wie immer spreche ich hier von den ungezähnten Werten, bei welchen auch der Gummi keine Rolle spielt. Auch wenn sich hier eine vermehrte Nachfrage eingestellt hat, kann man diese Sparte immer noch zu den preislich zurückgebliebenen zählen. Ja, durch das neu aufgetauchte Interesse hat sich sogar vermehrt gezeigt, welche Nummern zur Genüge im Markt zu finden sind und welche man auch während Jahren vergeblich sucht. Und wenn dann einmal eine auftaucht, ist - mit etwas Pech - einem die Qualität zu gering oder man hält den geforderten Preis für zu hoch. Deshalb auch in diesem Jahr mein Rat: wenden Sie sich diesem Gebiet zu und erwerben Sie, was Sie zu auch nur einigermassen vernünftigen Preisen erstehen können. Es gibt hier keine grossen Bestände, deren Auftauchen auf dem Markt zu einem Preiszerfall führen müsste!
Insbesondere sind hier auch die grösseren Einheiten zu nennen, die kaum angeboten werden und deren Katalogpreise vorderhand noch viel zu niedrig sind.

Preislich zurückgeblieben: Die Markterfahrung im vergangenen Jahre hat mir wieder einmal gezeigt, dass gewisse Alt-Schweiz-Nummern in Sammlerkreisen verkannt sind. Wenn man über Jahrzehnte die Erfahrungswerte der Häufigkeitszahlen zu Rate zieht, so sieht man, dass beispielsweise die Rayon I dunkelblau mit Kreuzeinfassung (Zumstein Nr. 15I), wie auch die Rayon III kleine Wertziffer und Centimes (Zumstein Nr. 18 und 19) wesentlich seltener vorkommen als sämtliche "kleinen Kantonals". Also seltener sind, als alle Genfer Adler oder die Waadt 5 oder beide Zürich 6! Das erstaunt doch einigermassen, weil die Katalogpreise dieser Kantonalmarken doch wesentlich höher liegen als jene der erwähnten zurückgebliebenen Durheimausgaben.
Profitieren können Sie davon durchaus schon heute, indem Sie beispielsweise bei den 15I die verschiedenen Farbnuancen zusammentragen. Lose und insbesondere auf Brief. Ganz abgesehen davon, dass diese Ausgabe eine Vielzahl von seltenen und interessanten Entwertungen bietet! Und bei den roten Rayons darf man einmal mehr erwähnen, dass die zehn verschiedenen Typen durchaus zusammen zu bringen sind - ohne weiteres auch auf Briefen.
Und wer noch einen Schritt weitergehen möchte (und wenn es nur darum wäre, weil dies bislang noch kein Mensch versucht oder gar geschafft hätte!), dem sei in Erinnerung gerufen, dass seit dem Vorliegen des Plattierungswerkes von Beni Geiser hier sogar der komplette 180er Bogen rekonstruierbar wäre!
Ich wünsche Ihnen den Mut zu einer eigenwilligen, unverwechselbaren und persönlichen Sammlung. Sie wird Ihnen mehr Freude bereiten als ein Dutzendobjekt, auch wenn sie sie nicht mehr in einem Vordruckalbum unterbringen können.

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