03 honegger philatelie Wissenswertes

Gedanken zur Marktlage 2010

Bei der Abfassung dieser Gedanken im letzten Katalog, also im November 2008, zeigten sich in der konjunkturellen Wetterlage dunkle Gewitterwolken am Himmel. Noch konnte man aber nicht wissen, ob es sich erneut um eine der üblichen Tiefdruckperioden handle. In Tat und Wahrheit ist daraus aber ein eigentlicher Zunami entstanden, der die Finanzmärkte und damit die gesamte Weltkonjunktur arg durchgeschüttelt hat, wie man dies in den letzten 80 Jahren nicht mehr erlebt hat.

Wenn wir heute einhalten und die aktuelle Situation zu analysieren versuchen, so stellen wir fest, dass es ausgehend von den USA weltweit zahllose Konkurse und horrende Anlageverluste gegeben hat. Vielfach zwar mehrheitlich Papierverluste, aber nicht nur.
 
Davon betroffen war auch die Schweiz. Vor allem natürlich die Wertpapiere. Die sind viel schneller gefallen, als man ahnen konnte. Auf der andern Seite sind sie seit März 09 genau so rasant wieder gestiegen, dass der vorherige Gewaltsverlust zum Teil schon wieder aufgeholt ist. Diese riesigen Schwankungen beunruhigen viele Anleger, die nicht mit zittrigen Fingern täglich die  Kursschwankungen verfolgen wollen.
 
Betrachten wir nun die Situation in der Philatelie und sprechen wir von der Situation in unserem Tätigkeitsgebiet der ganz alten Schweizer Briefmarken von 1843 bis etwa 1880, die sicherlich immer schon – und heute mehr denn je! – einen gewissen Anlagecharakter haben.
 
Dabei dürfen wir mit einem berechtigten Stolz feststellen, dass die Auswirkungen der erwähnten Weltwirtschaftskrise auf dieses Geschäft alles in allem nur geringfügige «Bremsspuren» hinterlassen haben. Bei vielen Kunden verspürt man überhaupt keine Auswirkungen. Sicher gibt es aber auch solche, die gewisse «Blessuren» erlitten haben und mit Ankäufen etwas vorsichtiger sind heute. Aber wenn man die gigantischen Turbulenzen an den Wertpapierbösen betrachtet, darf man mit grosser Befriedigung feststellen, dass diese auf den Markt der Alt-Schweiz-Marken einen nur geringen Einfluss ausgeübt haben. Ist dies für uns Philatelisten nicht ein Grund zu Zufriedenheit und Freude? Wenn ein Hobby, das zudem nicht nur eine reine Freizeitbeschäftigung darstellt, sondern einen gewissen Anlagecharakter aufweist, dermassen passabel durch die grösste Wirtschaftskrise der letzten acht Jahrzehnte kommt, so kann es damit nicht all zu schlecht bestellt sein! Die früheren, extrem hohen Verkaufszahlen sind auf ein gutes – in der Bankensprache würde man dies ein «sehr befriedigendes» – Niveau zurückgekehrt, das uns alle sehr zuversichtlich für die nahe Zukunft macht.
Auch wenn die Leute davon öffentlich nur wenig oder lieber gar nicht reden, hören wir immer wieder von Kunden, die ganz neu die klassischen Schweizer Marken «entdeckt» haben und die sich bei uns als ganz neue Kunden melden. Spricht man mit ihnen und fragt, wie sie zu diesem für sie neuen Hobby gekommen seien, so hört man meist, dass ihnen die Schockwellen des Aktienmarktes des letzten Jahres zuwider sind und dass der weniger hektische Anleihenmarkt mit den historisch tiefen, ja kaum noch eine Realverzinsung ermöglichenden Renditen, auch nicht zusage. Wenn schon keine Rendite mehr möglich sei, so möchten sie wenigstens das Geld für etwas ausgeben, das ihnen Freude bereite! Etwas, bei dem sie nicht täglich ängstlich nach dem aktuellen Kursverlauf schielen müssten. Denn eines stellt niemand in Abrede: auch wenn da und dort Verluste entstanden sind, so ist nach wie vor reichlich Geld vorhanden. Vor allem bei Rentnern, die ganz gerne von eben diesem ersparten Vermögen sich noch etwas leisten, also etwas 4 davon haben möchten. Die einen machen Ferien oder begeben sich auf eine Kreuzfahrt. Andere kaufen Schmuck und Bilder und glücklicherweise gibt es auch solche, die kaufen klassische Schweizer Briefmarken!
 
Grund zu Euphorie also? Ich meine nein. Wenn ab und zu eine Preisberuhigung eintritt, wie wir dies jetzt erlebt haben, so ist dies eine wünschenswerte und absolut gesunde Entwicklung, die wir alle begrüssen sollten! Kluge Rechner haben jetzt schon damit begonnen, von derzeit ab und zu etwas günstigeren Preisen zu profitieren und sich jetzt mit solchen Stücken einzudecken. Es liegt in der Natur der Sache, dass viele Sammler auf konjunkturell bedingte Situationen ständig zu spät reagieren. Wenn die Preise einmal etwas zurückgekommen sind, warten sie ab. «Es könnte ja noch weiter hinuntergehen». Und wenn dann «alle Welt» realisiert hat, dass die Talsohle erreicht, resp. schon durchschritten ist, so ist es für Käufe in aller Regel zu spät, weil die Ware nicht mehr verfügbar oder die Preise schon wieder gestiegen sind. Ein Aufschwung beginnt nicht dann, wenn alle Firmen schon wieder Sonderschichten fahren müssen. Er beginnt «im Kopf». Dann, wenn der konjunkturelle Silberstreifen am Horizont sichtbar wird, ist es höchste Zeit, einzusteigen! «Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben». (M. Gorbatschew)
Ich neige nicht zur Ansicht, dass wir alle konjunkturellen Probleme schon hinter uns hätten. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass der wirtschaftliche Himmel nach wie vor wolkenverhangen ist und sich keineswegs wolkenlos präsentiert. Wahrscheinlich erneut aus den USA werden auch künftig beachtliche Wellen nach Europa und Asien überschwappen und dies wird wohl auch noch in den nächsten beiden Jahren zu verspüren sein. Wenn ein Pendel stark auf eine Seite gezogen worden ist und man es loslässt, so wird es nicht in der Mitte stehen bleiben (wie wir dies uns alle wünschen würden), sondern wird noch etliche Male hin und her pendeln. So werden die Arbeitslosenzahlen 2010 gegenüber 2009 wohl allgemein noch ansteigen.
 
Andererseits darf man auch feststellen, dass trotz dieser noch nicht durchwegs erfreulichen konjunkturellen Aussichten die Einkommen der Leute allgemein eher noch ansteigen werden im Jahre 2010. Und überdies ist nach wie vor (noch) nicht mit einem Ansteigen der Inflation zu rechnen. Alles Gründe, die in vielen Kreisen einen eigentlichen «Anlagenotstand» auslösen könnten. Zusätzlich Gründe also, die mich für den Alt-Schweiz-Bereich erneut sehr zuversichtlich dem neuen Jahr entgegensehen lassen. Diese Zuversicht möchte ich Ihnen gerne weitergeben! Vergessen Sie nicht, dass Sie im vielleicht schönsten Hobby überhaupt tätig sind und dass Sie dort in der Tat zeitlebens Freude und Befriedigung finden können. Sie müssen dazu einzig das Sammelgebiet richtig – entsprechend Ihren Möglichkeiten – wählen und dabei beraten wir Sie gerne unverbindlich, wie wir dies seit Jahrzehnten für alle Kunden schon getan haben, die davon Gebrauch machen wollten.
 
Zufriedenheit mit der aktuellen Situation bewirkt bei mir Dankbarkeit. Dank gehört in erster Linie einmal Ihnen, sehr verehrte Kundinnen und Kunden, dass wir Sie auch im vergangenen Jahre bedienen durften. Aber auch meinem Sohn Markus, der diesen Katalog seit Jahren schon allein redigiert, meiner Frau Gemahlin, die immer dann präsent ist, wenn Hilfe erforderlich ist im Büro, meiner Schwiegertochter, die sich um die Dokumentation bemüht und Dank auch an unsere Verwandten, die mithelfen, Ihnen den Katalog zeitgerecht ins Haus zu liefern.
 
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr und nach wie vor viel Freude bei Ihrer Beschäftigung mit den klassischen Schweizer Marken!
Schmerikon, 27. November 2009 Gottfried Honegger

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