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Gedanken zur Marktlage 2012

Langweilig ist es einem auch in diesem Jahr nicht geworden! Allerdings wäre es einfacher, monatlich etwas zur Marktlage zu schreiben, als nur einmal jährlich davon eine Zusammenfassung machen zu müssen! Die ganze Welt sprach von Turbulenzen der Währungen, von Krisen der Banken und solchen von ganzen Ländern. Und heute, gegen Ende November 2011 türmen sich Fragen zur Weltkonjunktur und vor allem zur drohenden Inflation bei den wichtigsten Ländern auf. Auch das neue Jahr wird uns also sicherlich recht häufig ausser Atem kommen lassen! Jedenfalls, wenn wir in jenem Gebiet, das wir selber beeinflussen können, in der eigenen Anlagepolitik nämlich, uns einfach tatenlos treiben lassen.

Aber lassen Sie mich erst einmal etwas zu unserem eigenen Geschäftsjahr sagen. Wichtig zu erwähnen ist dabei, dass wir uns nur mit den ganz alten, klassischen Schweizer Marken der ersten gut 30 Jahre befassen, also von 1843 bis etwa 1880. Der Markt der späteren Ausgaben sieht anders aus, soll hier aber nicht erläutert werden. Dieses Geschäftsjahr in einem Satz zusammengefasst: Sehr gut! Wir haben eines der erfolgreichsten Jahre überhaupt hinter uns und durften auch etliche neue Kunden beliefern, die auf Grund von Empfehlungen anderer Kunden oder aber auch über das Internet zu uns gelangt sind.

Erfreulich gut liegen die ungebrauchten Marken im Handel, die auch heute immer noch als unterbewertet anzusehen sind.

Schöne Kantonals in Luxuserhaltung, sowie (erstaunlicherweise) auch billige Stücke in minderer Erhaltung gehen recht gut. Etwas gedrückter liegt die mittlere Erhaltung im Markt, von welcher es (aus grossen Sammlungen oder Liquidationen) etwas zuviel auf einmal gegeben hat.

Von Rayons und Strubeln waren kaum grosse Posten auf dem Markt, weshalb sich die diesbezügliche Marktlage als stabil erwiesen hat. Strubel werden überwiegend nach der alten Nummerierung von Zumstein gesammelt, mehr und mehr aber auch nach der neuen Klassierung von Urs Hermann. In seinem umfassenden Werk (bei uns erhältlich) finden sich ausserordentlich umfassende und fundierte Analysen zur Herstellung und Ablieferung der einzelnen Ausgaben. Wichtig für alle fortgeschrittenen Sammler sind natürlich die paar neuen Nummern, die sich nach seinen Studien ergeben haben und die noch ein grosses Potential aufweisen.

Das Gebiet der sitzenden Helvetia gezähnt lebt zu einem grossen Teil (das gilt aber durchaus auch schon für die Rayons und Strubel) von den Abstempelungen und seltenen Destinationen der Auslandsbriefe. Die seinerzeitige Überbewertung der letzteren hat sich nun schon seit einigen Jahren auf ein absolut normales, um nicht zu sagen günstiges Kaufniveau zurückgebildet, auf welchem man heute problemlos eine Sammlung aufbauen darf.

Aussichten für die kommenden Monate (und Jahre):

1. Wir gehen einer Zeit der nachlassenden Konjunktur, in vielen Ländern wohl sogar einer Zeit der Rezession entgegen. Die Arbeitslosenzahlen werden (weltweit) steigen und die verfügbaren Mittel für viele abnehmen. Das wird zu einer Zurückhaltung im Kaufverhalten von etlichen Sammlern führen. Erfahrungsgemäss sind dies eher Sammler mit kleinerem Budget.

2. Auf der andern Seite weigern sich viele Anleger, fällige Anleihen bei den heutigen (lächerlichen) Zinssätzen zu verlängern und ziehen die Gelder ab. Vielfach handelt es sich dabei um Rentner, die gerne noch etwas vom Ersparten haben möchten. Es werden Schiffs-und andere Reisen in kaum je gesehenem Ausmass gebucht, es fliesst viel Geld auch in den Erwerb von Schmuck und Bildern. Und neuerdings je länger je mehr auch in den Ankauf von Alt-Schweiz-Marken. Es geht dabei nicht um die Frage, was diese Anlagen an Rendite eintragen. Als Kaufgrund steht im Vordergrund, dass man etwas erwerben möchte, das einem Freude bereitet. Mit einer gewissen eigenen Sachkenntnis oder einer sachkundigen Beratung können Sie mit unseren Alt-Schweiz-Marken ein Leben lang Freude empfinden. Also ohne weiteres auch dann noch, wenn alle andern Aktivitäten (Sport, Reisen) aus Altersgründen nicht mehr möglich sind. Zu dieser Kategorie gehören erfahrungsgemäss eher Leute mit wesentlich grösseren freien Mitteln.

3. Der Markt für die klassischen Schweizer Marken spielt sich vor allem in Schweizer Franken ab. Und das hat uns nicht nur etwelche Probleme in der Vergangenheit gebracht, sondern wird uns wohl auch künftig noch beschäftigen. Dies gilt, vor allem auch, weil ein schöner Teil unserer Alt-Schweiz-Marken ins Ausland verkauft werden. Wenn sich die Währungen unserer wichtigsten Auslandsmärkte innert sehr kurzer Zeit um 20% abwerten (und in wenigen Jahren - in der Spitze - bis zu 50%!), so grenzt es fast an ein Wunder, wenn man die Preise in Schweizer Franken auch nur halten kann. Genau dies ist aber der Fall gewesen! Ich halte dies für ein ausgesprochen positives Zeichen. Mit dem Kauf von Alt-Schweiz-Marken erwerben Sie nicht nur ein Schweizer Kulturgut, sondern investieren auch in den starken Schweizer Franken!

4. Angesichts der überbordenden Anhäufung von Schulden in vielen Ländern und dem grenzenlosen Drucken von Neugeld wird eines nicht ausbleiben: Inflation. Man muss dies nicht selber erlebt haben und kann es an einem Beispiel aus der Geschichte lernen, wie mir  neulich in einer Publikation der Deutschen Briefmarkenzeitung vor Augen gekommen ist: Ein Fernbrief kostete am 1.10.1919 20 Pfennige. In den folgenden Monaten und Jahren entwertete sich die Mark dermassen, dass der Preis für einen gleichen Brief am 15.1.1923  50 Mark betrug. Ab August 1923 kletterte der Preis in kurzen Abständen und zwar über 1000 Mark auf erst 75 000, dann 2 000 000, hernach 100 000 000 Mark, um schliesslich im November 1923 auf 80 000 000 000 Mark zu klettern. Nach der Währungsreform vom 1.12.1823 gab es für 1 000 000 000 000.-- (= 1 Billion alte Mark!) neu eine einzige Rentenmark! Alle Barguthaben, aber auch Aktien und Anleihen) aus früherer Zeit waren damit kaum das Papier noch wert, auf welchem sie gedruckt worden sind! Auch wenn man nun nicht gleich unterstellen wird, dass wir gleiche Entwicklungen erneut vor uns haben, so ist das Phänomen der Inflation als Bedrohung gegeben und sollte beachtet werden. Wenn wir uns fragen, was das für uns bedeutet, sollten wir uns vor Augen führen, was in jenen Krisenjahren denn den Wert überhaupt noch bewahrt hatte. Antwort: Land und Häuser, Gold und alternative, nicht auf einer Währung beruhende Anlagen (Bilder, Schmuck, klassische Briefmarken).

Bei der Kategorie Land und Häuser ist zu sagen, dass die Preise hier in der Schweiz ordentlich gestiegen sind und viele der Meinung sind, dass gute Lagen (weniger gute weniger) sich heute bereits in einer Preisblase befinden, die urplötzlich auch platzen könnte. Kein idealer Einstiegszeitpunkt also. Zudem lassen sich weder Land noch Häuser einfach "unter den Arm klemmen", wenn ein Orts-oder gar Landeswechsel angestrebt wird.

Gold ist sicherlich eine der Möglichkeiten, die seit Jahrhunderten als "Fluchtwährung" genutzt worden ist. Sicherlich auch heute eine beachtenswerte Alternative. Nur…..wenn Sie bedenken, in wie wenigen Jahren sich der Goldpreis in Dollars etwa versechsfacht hat, muss man sich doch auch die Frage stellen, ob dort "die Bäume tatsächlich denn in den Himmel wachsen". Ist der Einstiegszeitpunkt dort noch ideal?

Auch Bilder und Schmuck sind sicher Möglichkeiten, die heute genutzt werden. Ein gewisser Nachteil liegt in meinen Augen darin, dass der Markt recht eng und nicht gut überblickbar ist.

Bleiben unsere Alt-Schweiz-Marken! Auch hier muss man fairerweise sagen, dass auch dieser Markt recht eng ist verglichen mit einem Goldmarkt etwa, wo täglich unglaubliche Summen umgesetzt werden. Eine seriöse und kompetente Beratung ist hier sicherlich geboten. Liegt diese aber vor, darf man ruhig darauf hinweisen, dass die Preise unserer alten Marken (im Gegensatz etwa zur Versechsfachung beim Gold) seit Jahren keine Preissteigerung erfahren haben und demzufolge immer noch auf Kaufniveau sind! Das hat  wohl vor allem damit zu tun, dass der Markt in Gold sich in Dollars abspielt, jener aber für unsere Alt-Schweiz-Marken in Schweizer Franken. Und ersterer hat sich stark ab- der Schweizer Franken aber stark aufgewertet. Deshalb ist ein Halten der Preise in Schweizer Franken bei unseren Alt-Schweiz-Briefmarken schon ein schöner Erfolg und ein gutes Zeichen für die Stabilität des Marktes. Aus diesem Grund bin ich auch für die fernere Zukunft des Alt-Schweiz-Marktes sehr zuversichtlich.

5. Wenige nur wissen, dass Alt-Schweiz-Briefmarken von vielen prominenten Leuten und Wirtschaftsführern gesammelt werden. Sicher kaufen sie solche auch aus Gründen einer gewissen alternativen Kapitalanlage. Aber dieses Sammeln spielt sich in der Regel recht diskret und im Hintergrund  ab. Viele gestandene Philatelisten stossen sich daran, dass die Sammlervereine heute eine schrumpfende Mitgliederzahl aufweisen und sehen nicht, dass dies auch den meisten andern Vereinen heute so geht. Wir leben in einer Zeit der Individualisierung. Der Computer und das Internet haben dazu viel beigetragen. Heutige Sammler scheinen den wöchentlichen Stammtischgesprächen in der Dorfbeiz weniger Zuspruch zu schenken als der individuellen Freizeitgestaltung zu Hause oder mit der Familie. Das mag heute anders sein als früher, hat aber mit der Philatelie oder dem Briefmarkensammeln eigentlich nichts zu tun. Und ob diese heutige Sammlungsbetätigung schlechter ist als jene von früher wage ich zu bezweifeln! Natürlich darf man auf keinen Fall in den Fehler verfallen, den Rückgang der Vereinsmitglieder mit einem Rückgang der Sammlerei allgemein gleichzusetzen! Denn in den früheren, grossen Sammlerzahlen in den Vereinen haben sich auch zahllose Leute befunden, die man heute nur noch als kleine Spekulanten bezeichnen kann. Die beinahe garantierten Preissteigerungen der Neuausgaben der Post haben unter dem Schlagwort "die Aktie des kleinen Mannes" zu einer solchen Erwartungshaltung geführt. Nachdem diese Preissteigerungen sich in den folgenden Jahren ins Gegenteil verwandelten, kehrten diese Leute der Sammlerei den Rücken. Ob man solche als wirkliche Philatelisten und deren Verschwinden als Verlust bezeichnen soll, könnte man kontrovers diskutieren.

Von diesen Turbulenzen der Marken, vor allem aus den letzten 50 Jahren ist das Alt-Schweiz-Gebiet glücklicherweise grösstenteils verschont geblieben. Dennoch gilt immer noch: kaufen sie klassische Marken bei einem Lieferanten, der einigermassen kompetent ist und dem Sie vertrauen und kaufen Sie vor allem Sachen, die Ihnen selber persönlich gefallen und die Ihnen Freude bereiten. Nur so werden Sie diese Freude bis an Ihr Lebensende auch bewahren können.

Das neue Vordruckalbum des Schweiz-Briefmarken-Händlerverbandes:

Dieses Album ist eine Weiterführung der traditionellen Vordruckalben der verschiedensten Anbieter. Hier werden die Marken erklärt und in einen geschichtlichen Zusammenhang gestellt. Es werden auch Zusatzblätter angeboten, auf welchen Sie Besonderheiten (Briefe, Paare oder Einheiten und selbst Abstempelungen) unterbringen können. Das Album macht - vor allem auch für  Nichtphilatelisten - einen hervorragenden Eindruck und eignet sich besonders für Sammler, die eine klassische Sammlung etwas interessanter, etwas abwechslungsreicher auch gestalten möchten, als es mit einem traditionellen Album möglich ist. Es ist aber nicht gedacht für den fortgeschrittenen Ausstellungssammler, der seine Blätter ohnehin selber gestalten wird. Sie finden einen Link zu diesem Album auf unserer Homepage.

Sie können dieses Album bei uns erwerben. Nach dem grossen Erfolg mit unserer Aktion letztes Jahr haben wir uns entschlossen, diese weiter zu führen: Beim Kauf einer (oder mehrerer) Alt-Schweiz-Marke(n) im Betrage von mindestens CHF 1500.-- schenken wir Ihnen dieses Album! Und zwar komplett, mit allen Zusatzblättern. Dies gilt für Lieferungen in die Schweiz.

Dank:

Lassen Sie mich auch dieses Jahr daran erinnern, dass unser Sohn Markus diesen Katalog allein redigiert. Seine Frau Claudia bearbeitet unsere Dokumentation, meine Frau Margot geht uns täglich im Büro an die Hand und unsere Verwandten sorgen Jahr für Jahr dafür, dass der Katalog rechtzeitig Anfang Jahr verpackt und verschickt werden kann. Ihnen allen möchte ich von Herzen danken, genauso wie Ihnen, unseren Kunden allen für die zahlreichen Kontakte, die wir im vergangenen Jahre mit Ihnen haben durften.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und friedvolles neues Jahr und ein glückliches Händchen für Käufe in einer Materie, die Ihnen jetzt - und wenn möglich lebenslang - echte Freude zu bereiten vermag!

Schmerikon, 21. November 2011

Gottfried Honegger

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