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Gedanken zur Marktlage 2013

Wieder einmal befinden wir uns in der zweiten Novemberhälfte und erneut ist es eigentlich sechs Wochen zu früh, um die Marktlage und damit den Geschäftsgang eines Jahres zusammenzufassen. Zunächst habe ich meine diesbezüglichen Zeilen aus dem Verkaufskatalog 2012 nochmals durchgelesen. Und dabei musste ich gegen die Versuchung ankämpfen, gewisse Passagen (sogar die meisten davon!) einfach zu kopieren und erneut zu bringen! Dies, weil die Annahmen genauso eingetroffen sind und die Schlussfolgerungen auch heute noch Gültigkeit haben.

Klassische Marken kann man nur einmal verkaufen. Nachher mögen ähnliche kommen, aber identisch sind sie nicht. Bei neuen Ausgaben des 20. Jahrhunderts kann man viele auch 100x liefern! Postfrisch sehen sie jedenfalls alle gleich aus.

Ähnlich sieht es auch mit den Käufern von Alt-Schweiz-Marken aus! Wenn man einem Sammler ein Stück oder gar einen ganzen Posten verkaufen konnte, so ist davon auszugehen, dass er sich im nächsten Jahr eher für eine andere Marke oder einen anders gearteten Posten interessieren wird. Man wird ihm als Händler also andere Nummern oder andere Stempel anbieten müssen. Die Voraussetzung, dass es dazu überhaupt kommt, ist, dass sich der Kunde vom Händler gut beraten und bedient fühlt und gerne für neue Käufe zu ihm zurückkommt. Unzufriedene Kunden sieht man nie wieder!
Nach einem sehr guten Jahr wie 2011 war es für uns – wie jedes Jahr – eine grosse Herausforderung, auch im kommenden Abschnitt ähnlich gute Verkäufe realisieren zu können. Selbstverständlich ist dies für uns keinesfalls! Wie oben erwähnt. Es braucht dazu als Voraussetzung die Zufriedenheit des Kunden und überdies von unserer Seite her die Bereitschaft, soviel wie möglich an angebotenen, einigermassen preiswerten Sachen zu erwerben, damit wir überhaupt in die Lage versetzt werden, unseren alten wie neuen Kunden erneut interessantes Material anbieten zu können. Dies scheint erneut der Fall gewesen zu sein und es wäre unehrlich, wenn ich unseren Geschäftsgang 2012 anders als «sehr gut» zusammenfassen würde. Wir haben erneut eine Anzahl von neuen Kunden (ich spreche von Käufern und nicht nur von Interessenten!) in unsere Kartei aufnehmen können und wir haben wohl überhaupt noch nie dermassen viele Posten und Sammlungen an Kollegen, aber auch an Sammler verkaufen dürfen. Wir können unmöglich alle erworbenen Sammlungen und Posten selber detaillieren. So gehen mittlerweile sechs bis acht von zehn erworbenen Sammlungen en bloc weiter. Möglich, dass wir einige Stücke entnehmen, die in unserem Lager langsam zur Neige gehen oder aber, dass der Interessent nicht für das ganze Spektrum des Objektes in Frage kommt. Dann muss man dies halt aufteilen. Diese Verkäufe an Kollegen sind für uns ein wichtiger Fingerzeit zur eigenen preislich richtigen Einschätzung. Versuchen Sie einmal solche Verkäufe an Kollegen bei übersetzten, unrealistischen Preisen zu realisieren! Unmittelbar vor der Nationalen Ausstellung in Stans hat mein Sohn das Material für den nächsten Katalog fertig ausgesucht und auch die Scans schon hergestellt, sodass die Stücke ab diesem Datum frei verfügbar waren, resp. immer noch sind. Die Ausstellung in Stans war hervorragend organisiert und hat unsere Erwartungen weit übertroffen! Ebenso die Messe von Sindelfingen! Wir haben wohl noch nie an lediglich zwei solchen Veranstaltungen dermassen viele grössere Stücke aus dem neuen Katalog bereits fest verkaufen können wie dieses Jahr! Wohlverstanden: ohne dieses Material überhaupt auszustellen oder mitzubringen! Lediglich auf konkrete Anfragen hin haben wir einige Lose mitgenommen und vielfach auch sofort verkaufen können! Eine Rezession sieht anders aus! Aber lassen Sie mich ein paar Gruppen näher betrachten.

Der Markt der Kantonals hat sich bei uns klar intensiviert. Dazu mag vor allem auch das neue Vordruckalbum des Schweizerischen Briefmarken-Händlerverbandes beigetragen haben, das wir bei einem Kauf von Kantonalmarken (im Betrage von mindestens CHF 1500.–) nach wie vor gratis abzugeben bereit sind. Dieses hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass viele «kleinere» Sammler die Schönheit unserer ersten Schweizer Marken mit Hilfe dieses Albums und seinen lehrreichen Illustrationen und Erklärungen weitaus besser zum Ausdruck bringen können als mit den traditionellen Vordruckalben. Ich gehe nicht davon aus, dass es Eingang im Guinnessbuch der Rekorde finden wird, aber kennen Sie eine andere Firma in der ganzen Welt, die in einem einzigen Jahr rund 100 Zürich 6 Marken verkaufen konnte? Jene in den Sammlungen drin nicht einmal mitgezählt. Zu diesem – für uns ganz hervorragenden – Resultat haben viele Käufer beigetragen und dafür sind wir sehr dankbar. Es ist für uns selbstverständlich, dass der Verkauf in grösseren Posten (das gilt natürlich auch für andere Kantonals) anders als bei Einzelstücken aus dem Katalog zu Vorzugspreisen erfolgt.

Bei den Rayons ist zu sagen, dass es nebst jenen Sammlern, die die Drucksteine plattieren möchten, auch die normalen Sammler gibt, die einfach die verschiedenen Nummern zusammenstellen wollen. Dann aber auch jene, die besondere Stempelseltenheiten suchen. Auch in diesem Bereich durften wir Kunden mit etlichen hundert Stücken beliefern.

Bei den Strubeln hat sich bei konstanter Nachfrage und Preislage eine Tendenz in Richtung der Neuklassierung im Strubel-Handbuch von Urs Hermann ergeben. Ich gehe davon aus, dass dieser Trend insbesondere für neue Sammler, sich noch verstärken wird. Es ist aber überhaupt nicht nötig, dass Sammlungen, die nach dem altbewährten System von Zumstein aufgebaut sind, geändert werden müssten! Beide Systeme werden nebeneinander Bestand haben und welches sich in den kommenden Jahrzehnten durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. 

Im Gebiet der sitzenden Helvetia gezähnt konnten wir erfreulicherweise neue Sammler auch für die seltenen Destinationen finden, die heute auf einem vernünftigen Kaufniveau liegen. In diesem ersten Gebiet der gezähnten Marken ist es uns gelungen, sehr interessante Einzelstücke und neulich gar eine komplette, phantastische Sammlung zu erwerben.

Wenn jemand eine Alt-Schweiz-Sammlung aufbauen, aber auf die ersten, teuren Nummern verzichten möchte, kommt er in erster Linie für eine Heimat- oder Kantonssammlung in Frage. Dabei sucht er die Entwertungen einer Region oder eines Kantons und dafür ist die Zeit momentan günstig.
Den wohl grössten Kaufbedarf haben wir aber wohl im Bereich der ungebrauchten ungezähnten Marken der Schweiz. Hier hat die Nachfrage erneut stark zugenommen und bei etlichen Nummern haben wir mittlerweile nun schon unerledigte Fehllisten am Lager. Wenn Sie hier von den alten Beständen noch profitieren möchten, senden Sie uns Ihre Fehlliste bitte zu.

Aussichten für die kommenden Monate und Jahre:

– Die Notenbanken drucken fast weltweit Geld in rauen Mengen. Das lässt die Zinsen unnatürlich tief und damit billig bleiben, auf der andern Seite aber die Inflationsgefahr künftig stark ansteigen. Ich erwarte dies aber noch nicht im Jahr 2013.

– Der Dollar und insbesondere auch der Euro befinden sich derzeit nicht gerade in einem Hoch und bereiten Regierungen wie auch Investoren allerhand Probleme. Diese Unsicherheiten bewegen heute viele Leute, teilweise in Sachwerte umzusteigen.

– Die Konjunktur dürfte in Europa insgesamt rückläufig sein; insbesondere in den Südstaaten. Die Arbeitslosenzahlen werden nicht so schnell fallen, aber auf den Geschäftsgang mit den klassischen Schweizer Marken wird dies kaum einen nennenswerten Einfluss haben, weil es dazu auch positive, marktbeeinflussende Punkte zu vermerken gibt. Die Aussichten in Amerika und in Asien erscheinen moderat positiver.

– Da es an interessanten Anlagemöglichkeiten im Bereich der Obligationen mangelt und da das Aktiengeschäft vor allem für ältere Menschen zu hektisch wird, dürfte es auch im neuen Jahr viele geben, die frei werdende Mittel nicht mehr (oder nur noch teilweise) auf diese bisherige Weise neu investieren möchten. Die Leute möchten noch etwas haben vom Ersparten. Noch nie haben dermassen viele (vor allem ältere Menschen) Schiffs- und andere Ferienreisen gebucht. Die Investition in alternative Anlagen wie Bilder, Schmuck, Gold und klassische Schweizer Briefmarken wird anhalten. Hier strömt neues Geld in diese Bereiche, auch wenn auf der andern Seite die Arbeitslosenrate in vielen Ländern nach wie vor sehr hoch ist und nicht so schnell fallen wird. Vorderhand sind wir davon in der Schweiz gottlob zum grössten Teil verschont geblieben. In den sich derzeit arg in Schwierigkeiten befindlichen südeuropäischen Ländern gab es in den letzten Jahren nicht sehr viele Kunden für das Alt-Schweiz-Gebiet, sodass von daher auch nicht mit einem Einbruch zu rechnen ist für unser Gebiet. Erfreulicherweise hat sich der Markt für die klassischen Schweizer Marken in Deutschland aber merklich gebessert, was zweifelsohne auch den wirtschaftlichen Stellenwert des Landes innerhalb Europas und der Welt reflektiert.

– Durch den Kauf von Alt-Schweiz-Marken investieren Sie nicht nur in eines der schönsten und interessantesten Sammelgebiete überhaupt, sondern vor allen Dingen auch in ein Schweizer Kulturgut ersten Ranges. Dazu in den starken Schweizer Franken! Dies im Gegensatz zu Investitionen in Gold, wo sich der Handel mehrheitlich in Dollars abspielen dürfte. Dort bleibt also das Währungsrisiko bestehen.

– Beim Kauf von Alt-Schweiz-Marken sollte es aber nicht nur um eine Investition gehen, bei der man einzig und allein nach der Rendite schielt. Der hauptsächliche Kaufgrund sollte in meinen Augen die Freude an diesem wunderschönen Hobby bilden. Durch eine fundierte und ehrliche Beratung kann einem diese Freude in der Tat bis zum Lebensende erhalten bleiben. Also weit über die Pensionierung hinaus! In meinen Augen sind jene Sammler komplett falsch beraten, die kurz nach dem Rückzug aus dem aktiven Erwerbsleben auch ihre Briefmarken-Sammlung liquidieren möchten. Diese Leute berauben sich damit genau des Hauptzwecks einer solchen Sammlung: der lebenslangen Bereitung von Freude. Meist also viel länger, als einem die Ausübung sportlicher Aktivitäten noch möglich ist. Daran sollten Sie denken, beim An- wie auch beim beabsichtigten Verkauf einer Sammlung!

Eigentlich sollte der kommende letzte Absatz meines Rückblicks am Anfang stehen: Ich kann mir einen solchen Kommentar nicht vorstellen, ohne von Herzen Danke zu sagen! Danke nicht nur den vielen neuen und alten Sammlern und Kollegen, mit denen wir im bald einmal vergangenen Jahr geschäftlichen oder gar freundschaftlichen Kontakt pflegen durften, sondern auch unserem kleinen, familiären Team. In erster Linie meinem Sohn Markus, der nicht nur den Katalog redigiert und nach und nach das ganze Geschäft völlig autonom führt, sondern auch dessen Gattin und meiner Frau Gemahlin, die jahrein, jahraus mit Hilfe bei der Hand sind, wie auch den Verwandten, die beim Katalogversand unverzichtbar mithelfen.

Schmerikon, 20. November 2012 Gottfried Honegger

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