03 honegger philatelie Wissenswertes

Gedanken zur Marktlage 2015

Natürlich passiert es nicht alle Jahre, dass einem eine sehr grosse Sammlung angeboten wird, die man erwirbt und dann - eigentlich unbeabsichtigt - gleich einem neuen Sammler en bloc verkaufen kann. Es gibt ja gar nicht dermassen viele Sammlungen, die auf den Markt kommen. Solch ein Verkauf bläst natürlich den Jahresumsatz auf. Lassen wir diesen einmal weg, so können wir für das Jahr 2014 von einem mehr oder weniger identischen Geschäftsgang sprechen, wie im sehr guten Jahr 2013. Es haben sich einige neue Sammler gefunden und bei einem macht es ganz den Anschein, als sprechen wir hier bald einmal von einem der ganz grossen Alt-Schweiz-Sammler aller Zeiten. In zehn Jahren werden wir dies genauer wissen. In all diesen Jahresbetrachtungen spreche ich immer nur vom Alt-Schweiz-Markt (1843 bis ca. 1870). Leider verhält es sich mit den Ausgaben des 20. Jahrhunderts ganz anders. Der Gründe dafür gibt es viele. Irgendeine Marktstützung ist dort nicht auszumachen, im Gegensatz zu den klassischen Ausgaben. Es passiert ganz und gar nicht selten, dass wir an grossen Auktionen, wo bisweilen die Fülle des Angebotes höher gewichtet wird als ein dosierter Verkauf zu reellen Marktpreisen, dass wir 60-80% unserer Käufe an sich überhaupt nicht benötigen und nur aus Gründen der Marktstützung erwerben. Würden diese Käufe unterlassen, kann man sich die Enttäuschung der Einlieferer vorstellen, die noch weniger für ihre Ware erhalten würden! Glücklicherweise gibt es aber auch immer die preislichen Ausreisser nach oben, wo seltene oder besonders schöne Stücke Traumpreise erzielen, die niemand erwartet hat.

Die Nachfrage im Markt scheint uns nach wie vor sehr gut zu sein. In gewissen Gebieten besser als überhaupt je zuvor! Nach unserer Erfahrung - vor allem auch in diesem Jahr - gehen immer jene Gebiete gut bis sehr gut, wenn man davon eine ganze Sammlung anbieten kann. So hatten wir für eine (sehr schöne) Sammlung von Tessiner Strahlenstempeln gleich mehrere Interessenten für das ganze Objekt. An eine Detaillierung war damit gar nicht zu denken. Genau gleich, wie für etliche Sammlungen Alt-Schweiz generell, die meistens von Händlern erworben werden.

Es macht wenig Sinn, die verschiedenen Teilgebiete im Bereiche Alt-Schweiz (Kantonals, Rayons, Strubel, sitz. Helvetia gezähnt) einzeln zu kommentieren. Die Nachfrage war überall ähnlich gut. Wenn man viele interessante Sachen anzubieten hat, besteht eine gute Nachfrage. Wenn man nichts anbietet, schwindet diese. Mehr Sinn macht es wohl, wenn ich auf Gebiete hinweise, die zu Unrecht noch vernachlässigt scheinen. Zu nennen wäre etwa das Gebiet der Heimat-oder Kantonssammler. Diese sammeln nicht unbedingt alle Alt-Schweiz-Marken, sondern nur die Entwertungen eines Kantons oder gar nur eines Bezirkes oder einer Stadt. Ob sie dann alle vorkommenden Marken haben möchten (also auch die teuersten) ist ihnen überlassen. Man sammelt das, was in den eigenen Möglichkeiten liegt und niemand kritisiert ein fehlendes Stück. Es gibt derzeit etliche Kantone, wo sich ein Einstieg durchaus lohnen würde. Ich denke da an Graubünden, Aargau, Bern, Waadt, Zürich, Thurgau. St. Gallen. Beim Kanton Tessin haben wir eine grosse Nachfrage nach den Ovalstempeln erlebt. Dabei ging oder geht vergessen, dass der Kanton Tessin eine noch grössere und ebenso interessante Anzahl von Balkenstempeln aufweist, die gegenüber den Ovalstempeln derzeit als arg vernachlässigt gelten!

Geburtstagssammlungen scheinen mir ideal für Sammler zu sein, die gerne ihre eigene Sammlung einmal einem Nachkommen (meist Enkel oder Patenkind und gar nicht unbedingt Sohn oder Tochter) vererben würden. In einer solchen Sammlung wird das Geburtstagsdatum (nur Monat und Tag) eines Erben gesammelt. Als Einleitung für eine normale Sammlung ergibt dies ein ganz anderer Bezug zu solch einer generellen Briefmarkensammlung. Hierbei handelt es sich um eine Anzahl Stücke, die das eigene Geburtstagsdatum tragen. Also vollkommen persönliche Stücke, die niemand sonst auf der Welt haben wird. Solch persönliche Erbstücke gibt man viel weniger leichtfertig weg. Dadurch kann ein Interesse für das Briefmarkensammeln allgemein und für die geerbte Sammlung im Besonderen geweckt werden. Einmal böte dies die Genugtuung, dass die während Jahrzehnten zusammengetragene Sammlung beisammen bleibt und nicht auf einen Schlag in alle Winde zerstreut wird. Nun gibt es aber ein Problem, indem der zu Beschenkende gar keinen (oder noch keinen) eigentlichen Bezug zu einer Briefmarkensammlung hat. Zugänglich für ein solches Hobby sind Leute in der Regel erst nach dem 40. oder 45. Altersjahr wenn sie mehr oder weniger sesshaft geworden, eine Familie gegründet und Zeit für eine Freizeitbeschäftigung haben. Einfacher geht dies mit Erben, die als Kind schon einmal Marken gesammelt haben. Erbt jemand solch eine Sammlung nun in einem "ungünstigen Moment" (wo andere Interessen dominieren), so ist die Möglichkeit gegeben, dass die ganze Sammlung möglichst schnell versilbert wird. Handelt es sich aber um eine "besondere" Sammlung, die als Einleitung eine kleine Spezialsammlung mit dem eigenen Geburtstagsdatum enthält, so ist die Einstellung und damit der Bezug dazu ein ganz anderer. Fragen Sie uns ungeniert, was wir von welchem Datum am Lager hätten. Dann können Sie entscheiden, ob das eine Lösung für Ihre Sammlungsnachfolge darstellen könnte.  

Aussichten für die kommenden Monate und Jahre

Gegenüber letztem Jahr haben sich die Verhältnisse nicht gross verändert. Meine Annahmen haben sich bestätigt. Auch heute können wir einige Punkte zusammenfassen:
- Die Notenpressen laufen noch, wenngleich nicht mehr überall gleich schnell. Geld ist verfügbar
- Dadurch erhört sich das Inflationsrisiko. Das wird 2015 aber noch kein grosses Thema sein für die westlichen Länder, insbesondere nicht für die Schweiz.
- Der lang erwartete Aufschwung nach den Krisenjahren nach 2008 wird von Amerika und Asien ausgehen - nicht von Europa. Das spiegelt sich schon heute im Dollarkurs. Dieser liegt heute wesentlich höher, als vor einem Jahr.
- Der Euro tut sich demgegenüber schwerer. Vor allem wegen der beruhigten, aber keinesfalls bereinigten Probleme der südlichen Länder (und Frankreich). Auf Deutschland, als dem Motor der EU, könnte da noch ein Problem zukommen.
- Der Aktienmarkt in der Schweiz läuft gut. Manch einer sieht eine Überhitzung kommen (vor allem auch am Immobilienmarkt) und wagt keinen Neueinstieg mehr. Bei einem Verkauf der Titel stellt sich aber die Frage nach der Wiederanlage!
- Der Anleihenmarkt bietet kaum eine Rendite. Die Transaktionskosten und Verwaltungsgebühren fressen praktisch die ganze Rendite weg. Ganz abgesehen noch von den Steuern!
- Unsicherheiten gibt es weltpolitisch wegen der diversen Konflikte/Krisen oder Kriege im mittleren Osten. Die können durchaus Auswirkungen auf die Anlagen zeitigen.
- Diese letzten Punkte sprechen durchaus weiterhin für eine Investition in alternativen Bereichen, wie z.B. den klassischen Schweizer Marken. Damit tätigen Sie nicht nur eine erwünschte Anlage in Sachwerte, sondern auch in den starken Schweizer Franken und damit in ein Schweizer Kulturgut! Eine direkte Rendite können Sie hier weder erwarten noch voraussetzen. Genauso wenig wie bei einer Investition in den Kunstmarkt oder jenen der Edelsteine oder das Gold. Der ganz grosse Vorteil - und in meinen Augen der wichtigste Kaufgrund überhaupt - liegt in der persönlichen Freude, die Sie bei einer guten Beratung damit erhalten und deren Sie tagtäglich dann teilhaftig werden können! Es ist absolut verständlich, dass Leute, die ein Leben lang ein kleines oder grosses Vermögen zusammen gespart haben, heute unzufrieden damit sind, dass sie diese Mittel nicht mehr renditebringend anlegen können. Wenn dies schon nicht mehr risikolos möglich sein soll, so möchten sie sich wenigstens noch etwas leisten. So buchen sie sich Kreuzfahrten oder ausgedehnte Ferien in der ganzen Welt. Wunderschön, das sollen sie durchaus tun. Nur gibt es Fälle, wo einem dies bald einmal zuviel wird, wo man sich nicht mehr beweglich genug fühlt, um alles noch aktiv miterleben zu können. Dann bieten sich alternative Anlagen, wie eben die klassischen Schweizer Marken sehr wohl an. Denn diese kann man täglich ansehen und sich daran erfreuen, auch wenn man sich in den eigenen vier Wänden wohler fühlt als draussen in der grossen weiten Welt. Sehr gerne beraten wir Sie völlig unverbindlich, wenn Sie irgendwelche Fragen dazu haben sollten.

Es ist nicht vorstellbar, eine solche Zusammenfassung zu schliessen, ohne jenen von Herzen zu danken, die dieses erneut überaus erfreuliche Jahr möglich gemacht haben. Dazu gehören in erster Linie einmal Sie selber, der Sie durch Ihre Käufe oder Verkäufe dazu mitgeholfen haben. Dann aber auch meinem Sohn, der diesen Katalog seit Jahren selbständig redigiert, seiner Gemahlin, die mit mir zusammen die Lose aufbereitet und verkaufsfertig macht, meiner Frau, die uns täglich zur Hand geht im Büro und unseren Verwandten, die seit Jahren treu uns beim Versand und beim Verpacken der Kataloge helfen. Ohne diese diversen Hilfen würde es unser Geschäft gar nicht geben!

Schmerikon, 18. November 2014

Gottfried Honegger

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