03 honegger philatelie Wissenswertes

Das Stück des Jahrzehnts, Los 382!

Für den gewöhnlichen Sammler vielleicht etwas hochgegriffen, denn für ihn handelt es sich ja nur um einen etwas gross geratenen Brief mit ein paar Rayons darauf. Für den Durheim-Kenner aber eine Rarität: Eingeschriebener Faltbrief nach Reiden, wohl in der mit Rayons fast nicht vorkommenden 5. Gewichtsstufe im 1. Briefkreis. Frankatur: 16II, Stein BRO, Type 16 und 17II, Missglückter Stein, Untere Gruppe, Typen 38, 22, 14 und 7. Die Erhaltung ist für solch eine Frankatur überdurchschnittlich gut. Bei lauter Einzelstücken findet man dies gar nicht häufig, dass alle Stücke gut bis sehr gut gerandet sind!

Bei diesem Beleg muss es sich um einen Teil eines riesigen Umschlages oder einer Verpackungshülle gehandelt haben. Die Erwähnung «Mit Titel v.Fr. 600.–» kann man auf eine Anzahl von Obligationen oder Aktien schliessen, die dieses grosse Gewicht schliesslich ausmachten.

Was dieses Los zu einer der grössten Durheim- und damit Alt-Schweiz-Seltenheiten überhaupt macht, ist der Druckstein! Vom seltensten aller Drucksteine, dem sogenannten «Missglückten Stein», kennt man nur ganz wenige Einheiten auf Brief. Paare sind rar, Dreierstreifen sehr selten und Viererstreifen sind mir bis heute lediglich zwei Briefteile bekannt: Einer mit einem waagrechten Viererstreifen (als 20-Rp.-Frankatur) und diese Buntfrankatur hier als 30-Rp.-Porto.

Ein Wort zur Häufigkeit der Missglückten Steine: Werner Städeli schätzte die heute noch erhaltenen Missglückten Steine auf lediglich rund 300 Stücke. Diese Zahl ist sicher zu niedrig geschätzt. Nach meinen über 50-jährigen diesbezüglichen Forschungen gehe ich von mindestens der doppelten Anzahl aus. Nun muss man dies in Relation zu andern seltenen Marken setzen: Man schätzt, dass es heute noch rund 800 lose Doppelgenf gibt! Also mehr, als Missglückte Steine! Die Doppelgenf notiert im Katalog des Schweiz. Briefmarken-Händler-Verbandes mit 55’000.–, der Missglückte Stein aber nur mit 4’000.–! Dabei ist zu sagen, dass Dr. Streiff mir mit seinem Schreiben vom 30.09.1971 mit der periodisch übermittelten Fehlliste mitgeteilt hat, dass er jetzt nur noch drei Steine M suche für seine Rekonstruktion. Er hatte also allein 77 Stücke, die mit seiner Schenkung im Postmuseum schlummern. Weiter haben wir in unserer Kundschaft zwei Sammler, die diesen Druckstein (also alle 80 Bogenfelder) rekonstruieren und schon recht weit vorangekommen sind. Dazu ein weiterer, der mit seiner 40er-Tafel so gut wie fertig ist! Allein diese wenigen Sammler haben den grössten Teil der vorhandenen Stücke aus dem Markt genommen. Auf diesem Beleg kleben nun ja gleich vier dieser seltenen Nummern (und überdies noch in einer hohen Buntfrankatur!)! Und jede einzelne dieser vier Marken hat ungefähr das gleich grosse Vorkommen heute wie eine lose Doppelgenf! Wenn wir daraus einen Vergleich machen, stellen Sie sich einmal vor, was denn ein Brief mit vier Doppelgenf (!) (+ Zusatzfrankatur!) denn für einen Katalogpreis haben müsste oder was so ein Ding rein virtuell denn kosten würde! Da können Sie selber ausrechnen, was für eine preisliche Phantasie in diesem Druckstein heute noch liegt! Und vorderhand kann man ja immer noch diese Missglückten Steine mit einem Katalogpreis von lose = 4’000.– und auf Brief = 7’000.– (ohne Abarten oder Stempelseltenheiten) erwerben. Nicht grad in Mengen, aber vorderhand können wir immer noch liefern. Müsste solch ein Kauf nicht eine Überlegung wert sein?

Interessant mögen folgende Preisvergleiche sein:

Ausgabe

Ungefähres Vorkommen

Katalog-Preis

Briefe mit Zürich 4 (beide)

mehr als 300

53’000.– / 70’000.–

Briefe mit Doppelgenf

150

100’000.–

Doppelgenf lose

800

55’000.–

Briefe mit Ganzsachenausschnitt

 120  27’000.–
Briefe mit Basler Tauben mehr als 500 45’000.– / 50’000.–
Briefe Poste Locale ohne KE, (Einzelfrankatur) 6 130’000.–
Rayon II mit Kreuzeinfassung:    
Stein A1, lose 13 220’000.–
Stein A3, lose 18 170’000.–

Von dieser 3. Gruppe der Gelborangen gibt es bisher insgesamt nur sechs Stücke (wovon zwei in der Sammlung Ernst Müller im Basler historischen Museum, die andern in Privatsammlungen sind).
Diese Klassierung wird in den Katalog des Schweiz-Briefmarken-Händlerverbandes aufgenomme.

Studieren Sie dazu nachfolgenden Nummern aus diesem Katalog:

Vergleichen Sie obige Zahlen mit der Seltenheit unseres Beleges und ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse daraus! Ein einmaliges Spitzenstück für den grossen Klassik-Sammler!

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