03 honegger philatelie Wissenswertes

Weltrarität der besonderen Art

besonderen art

Im Alt-Schweiz-Bereich gibt es bei etlichen Kantonalmarken grosse bis ganz grosse Seltenheiten.

Normalerweise gehören dazu auch die Paare von Kantonalmarken. Darunter fallen selbst unge-brauchte Paare, von denen bei den Zürich 4 und Basler Tauben je etwa sechs bekannt sind. Gelegentlich sieht man heute noch die Zürich 4 im Paar, auch auf Briefen, von denen Richard Schäfer in seinem bedeutenden Buch «Schweiz Kantonalmarken» zehn aufführt (Briefe mit zwei Einzelmarken sind gleichwertig darin enthalten). Seltener allerdings sind Briefe mit anderthalb Zü rich 4, also einer ganzen und einer halben Marke, als 6-Rappen-Frankatur.

Bei den Basler Tauben ist es ähnlich. An ungebrauchten Paaren haben wir vor 20 Jahren in unserer Dokumentation ein halbes Dutzend notiert. Und auch an Paaren (oder zwei Einzelstücken) auf Brief kennt man gemäss Schäfer deren acht, nicht eingerechnet Paare in Mischfrankatur mit Rayons (zwei).

Diese beiden Kantonalmarken sind wahrscheinlich international die berü hmtesten der alten Eid-genossenschaft. Die Zü rich 4, weil sie die erste Kantonalmarke der Schweiz als Orts-Frankatur darstellt. Die Basler Taube als wohl beliebteste Kantonalmarke. Das hat nicht nur mit dem Motiv der Taube zu tun, sondern vor allem auch damit, dass es der erste Dreifarbendruck einer Brief-marke weltweit war und darü ber hinaus auch noch mit Relief!

Alle diese obigen Einheiten liegen in guter Erhaltung in einem Preisbereich von 150’000.– bis ü ber 300’000.– CHF. Diese Raritäten sind den meisten Alt-Schweiz-Sammlern einigermassen geläufig und bekannt, auch wenn nur wenige sich solche leisten können. Etwas weniger Beachtung findet eine andere, grosse Seltenheit: die gestempelte Genfer Ganzsache. Und zwar ganz egal in wel-chem Format. Als kleine Gedankenstü tze erst mal ein Quervergleich: von den Einzelfrankaturen der Waadt 4 (Katalog = 58’000.– CHF) fü hrt Schäfer 110 Briefe auf. Vom kleinen Format der Genfer Ganzsache jedoch nur 26 Stü cke, also mehr als 4x weniger! Da wir in unserer eigenen Datei auch datierte Briefstü cke aufgenommen haben, bleiben wir bei der Zählung von Richard Schäfer, um keine Verwirrung unter den verschiedenen Dateien zu verursachen. Das gestempelte mittlere Format und das gestempelte grosse Format lassen wir ganz weg. Diese sind derart selten, dass sie kaum auf dem Markt zu finden sind.

Es zeigte sich in den letzten Jahren immer wieder, dass diese Ganzsachen (gilt für alle gestem-pelten Formate) selbst in den grossen bis ganz grossen Sammlungen eine eigentlich «stief-mü tterliche» Behandlung erfahren haben. Mit andern Worten: sie sind nur spärlich (ohne Stem-pelvariationen) oder dann gar nicht vertreten! Wäre dies nicht eine Überlegung wert, solch zurü ckgebliebenen Seltenheiten vermehrt Beachtung zu schenken?

Den Sprung von einer grossen Seltenheit zur Weltrarität hat unser diesjähriges Titelbild geschafft: Genfer Ganzsache, kleines Format, mit roter Rosette Nr. 4 von Genève, 29.03.49, nach Gex/ De-partement Ain in Frankreich.

Im März 1849 konnte man mit den Genfer Kantonalmarken noch nicht bis ins Ausland frankieren.

Frankreich anerkannte deshalb das Porto von 5 Centimes bis zur Grenze nicht und verlangte vom Adressaten eine Nachtaxierung von «2» (décimes). Ganz allgemain gelten Kantonalbriefe ins Aus-land aus grosse Seltenheiten! Dieser Beleg scheint sogar ein Unikat zu sein. Bislang kennen wir keinen zweiten Ganzsachenumschlag von Genf ins Ausland!

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