Davon höre ich viel und oft, vor allem wenn mir die «alten Hasen» aus den Siebziger- und Achtziger-Jahren erzählen. Damals, als noch jedes Kind Briefmarken sammelte und die Briefmarke als «die Aktie des kleinen Mannes» galt. Damals, als man sich noch regelmässig mit den Sammlerkollegen im «Rössli» traf und stolz die Neuankäufe zeigte, Doubletten tauschte und fachsimpelte. Diese Zeiten seien vorbei, erklärt man mir wehmütig, heute sei alles anders.
Tatsächlich, vieles ist anders, einiges aber auch nicht! Vielleicht beginnt das goldene Zeitalter gerade jetzt!
Es lässt sich erkennen, wenn man nicht nur oberflächlich von damals träumt, sondern genau hinschaut. Vielleicht haben Briefmarken-Foren das «Rössli» ersetzt. Das mag sein. Aber vielleicht ist es gar nicht so entscheidend, ob man sich in einem Forum austauscht oder im «Rössli». Beide haben Vor- und Nachteile. So konnte der Ruedi früher, wenn ihn die Grippe erwischt hat, nicht teilnehmen, heute schon, das Forum ist ja online. Auch der Austausch mit dem Händler des Vertrauens ist heute jederzeit möglich. Vielleicht nicht mehr überall im Laden, dafür aber per Telefon oder E-Mail. Natürlich gibt es auch nicht mehr so viele «Rössli’s» und Ladenhändler wie früher. Auch das mag sein, aber ein gewisser Restbestand ist noch da – und wird auch bleiben. Zu guter Letzt verspüren vielleicht auch nicht mehr ganz so viele Sammler den Wunsch, sich in einem Verein zu engagieren und zu treffen. Dies entspricht dem Lauf der Zeit und hat nichts mit der Philatelie an sich zu tun. Viele Vereine (nicht nur philatelistische) kennen diese Entwicklung. Das Freizeitverhalten hat sich mit der Digitalisierung verändert. Jetzt kann man wehmütig zurückschauen oder sich den neuen Umständen und Möglichkeiten anpassen. Letzteres wird wohl mehr Sinn machen, denn wir werden diese Entwicklung nicht aufhalten können.
Die Kinder brauchen heute keine Briefmarken mehr, um die Welt zu entdecken. Die Welt kommt heute nicht per Post, sondern digital nach Hause. Auch dies hat zwei Seiten, eine gute und eine schlechte. So ermöglicht das World Wide Web schier unbegrenzte Möglichkeiten für Online-Reisen in die entferntesten Länder dieser Erde. Auf der anderen Seite sind die Jungen beim Eintritt ins Erwachsenen-Alter noch nicht so briefmarkenaffin wie zu früheren Zeiten. Genau hier sollten Händler und Vereine ansetzen. An diesem Punkt ist sicherlich mehr Engagement nötig, um dieses faszinierende Hobby den jungen Menschen näherzubringen. Früher ging das wie von selbst. Ich bin sicher, solche Bemühungen werden Früchte tragen. Bei uns allen ist die Sturm- und Drangzeit irgendwann vorbei. Die eigenen Kinder verlassen das Haus, die Ausbildung ist bezahlt und es bleibt am Ende des Monats wieder etwas mehr übrig. Viele, um nicht zu sagen alle, organisieren sich dann neu und sind auf der Suche nach einer sinnstiftenden Beschäftigung nach der Arbeit. Und hier kann die Philatelie eine wichtige Rolle spielen, auch heute noch.
Es geht ja nicht nur um das Kaufen von Briefmarken und Belegen, das Einordnen und dann Weglegen. Sondern beispielsweise auch um das Suchen bestimmter, rarer Sachen. Es ist spannend und erfüllt mit Stolz, sollte man erfolgreich gewesen sein. Es ermöglicht einem den Austausch (weltweit) mit Gleichgesinnten. Schier unbegrenzte Forschung und Entdeckungen sind auch heute noch möglich. Nehmen wir als Beispiel einen der engagiertesten Sammler aus dem Gebiet der Alt-Schweiz, Jean-Pierre Senn und seinen Sohn Colin (er ist noch «angefressener» als sein Vater – und ja, er ist noch jung!). Vor noch gar nicht so langer Zeit haben die beiden begonnen, sich damit zu beschäftigen und heute, ein paar Jahre später, gehören sie zu den grössten Forschern im Bereich der Alt-Schweiz. Sie gewinnen stetig neue Erkenntnisse und verfassen Bücher am Laufband. Für uns alle eine grosse Hilfe und für die beiden Herren muss das doch unglaublich bereichernd und befriedigend sein, wenngleich ihre Tätigkeit auch mit viel Aufwand verbunden ist.
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Oder nehmen wir das Reisen. Viele verspüren den Wunsch, auf Reisen die Welt zu entdecken. Vor allem auch nach der Pensionierung. Nicht digital, wie die Jungen, denen vielleicht das Geld dazu noch fehlt, sondern real, analog. Wir besuchen jedes Jahr diverse Messen. Im Inland, aber vor allem auch im Ausland. Überall treffen wir auf bekannte Gesichter, die zusammen mit der Gattin oder mit Sammlerfreunden an diese Ausstellungen reisen. So wird aus einer spannenden Reise auch ein sozialer Event. Gemeinsame Nachtessen verstärken dieses Gefühl, schweissen zusammen. Wenn man sich neben der Messe sogar noch ein paar Tage Zeit nimmt, um die fremde Stadt oder das fremde Land zu erkunden, so wird aus einer simplen Briefmarkenausstellung im Nu ein spannendes und bereicherndes Abenteuer. Könnte man natürlich auch ohne Verbindung mit den Briefmarken machen, aber würde man auch? Manchmal ist ein guter Grund hilfreich.
Die Schweizer Philatelie ist weitläufig. Wir befassen uns ausschliesslich mit der Klassik bis ungefähr 1880. Um diesen Bereich geht es auch in diesem Vorwort. Und dieser Bereich bringt weitere Vorteile, die ich erläutern möchte. So kann jeder Sammler dieser klassischen Ausgaben davon ausgehen, dass er seine Sammlung irgendwann auch wieder verkaufen kann. Vielleicht bekommt man mehr dafür, vielleicht weniger. Dies ist von diversen Faktoren abhängig. Wichtig ist, es wird auch wieder etwas dafür geben. Das ist bei den meisten Hobbys nicht der Fall. Hier jedoch schon. Vor allem in politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten kann eine solche Sammlung sogar einen sicheren Hafen für einen Teil des eigenen Ersparten darstellen. Im Moment sind sich zwar viele «Experten» noch einig, dass man all sein Geld an die Börse bringen soll. Dort vermehre es sich von alleine. Meiner Erfahrung nach ist dies meist dann der Fall, kurz bevor es an den Börsen so richtig rüttelt und schüttelt.
Die Aktienmärkte und auch Gold sind heute viel höher bewertet, als auch schon. Ist das gerechtfertigt? Und kann das immer so weitergehen? Wenn ich von den unzähligen KI- Firmen höre, die zwar noch nie einen Gewinn erzielt haben, aber trotzdem etliche Milliarden wert sein sollen, wird mir etwas mulmig zumute. Ich kann mir vorstellen, dass jemand, der jetzt einen Teil seines Vermögens (oder wenigstens seines Gewinnes) gegen ein paar schöne Alt-Schweiz-Stücke eintauscht, in nächster Zeit ruhiger schlafen wird. Vielleicht wird er sogar mit einer gewissen Befriedigung über sein Handeln bestätigt werden.
Die Klassischen Schweizer Briefmarken gehören weltweit zu den schönsten, beliebtesten und wertvollsten Marken. Und dies schon seit über 100 Jahren, mit einer beachtlichen Wertbeständigkeit und wenig konjunkturellen Schwankungen. Rare Briefmarken haben noch weitere Vorteile: sie sind einfach und sicher aufzubewahren, problemlos transportierbar und jederzeit handelbar.
Für unsere Alt-Schweiz-Freunde aus dem Ausland bekommt der Ausdruck eines «sicheren Hafens» sogar noch eine viel wichtigere Bedeutung. Wenn Sie in die Alt-Schweiz-Philatelie investieren, können Sie nicht nur von den oben aufgezählten Vorzügen profitieren, sondern ihre Investition erfolgt gleichzeitig in den Schweizer Franken: Die stabilste Währung der Welt! Betrachtet man die gegenwertige politische und wirtschaftliche Lage, die diversen Unsicherheiten und nicht zuletzt die Staatsverschuldung zum Beispiel der USA oder der EU, so kann man sich nur schwerlich vorstellen, dass der Dollar oder der Euro zu neuen Höhenflügen ansetzen werden. Schon viele unserer ausländischen Kunden haben von einem ordentlichen Gewinn nach dem Verkauf der Sammlung, entstanden in erster Linie durch den Währungskurs, profitiert.
Immer wieder kommen ältere Sammler zu uns und erklären, sie seien jetzt 80 Jahre alt und würden ihre Sammlung gerne verkaufen. Nicht, weil sie keine Freude mehr daran hätten, sondern weil sie ihre Nachkommen im Fall ihres Ablebens nicht würden damit belasten wollen. Dazu auch noch ein paar Gedanken: Es gibt Hobbys, die kann man ab einem gewissen Alter sicherlich nicht mehr ausführen, wie einem dies in jüngeren Jahren möglich war: Autorennen fahren zum Beispiel, oder Fallschirmspringen, Skifahren, Fussball spielen und so weiter. Das sich Beschäftigen mit der persönlichen Briefmarkensammlung gehört ganz sicher nicht dazu. Im Gegenteil, es könnte und sollte sogar noch öfter möglich sein, denn durch das Wegfallen anderer Tätigkeiten verfügt man über noch mehr freie Zeit. Mit Ihrer Sammlung können Sie sich bis zum letzten Tag beschäftigen! Wir kennen grosse Sammler, die uns mit dem Verkauf Ihres Lebenswerks beauftragt haben, weil sie jetzt schon 80 Jahre alt seien. Und was war die Konsequenz? Zwei Jahre später haben sie wieder mit einer neuen Sammlung begonnen!
Wichtig aber scheint mir zu sein, dass Sie Ihren Nachkommen die Information hinterlassen, an welche Fachgeschäfte sie sich wenden können bei einer allfälligen Veräusserung der Sammlung. Der Sammler selber kennt sich nach all den Jahren sehr gut aus, die Nachkommen aber weniger. Teilen Sie ihnen mit, welche Händler Ihres Vertrauens in Frage kommen und wo sie seriös beraten werden. Danach sollten Sie sich an Ihrer Sammlung erfreuen bis zum letzten Tag. Währenddem können sich Ihre Nachkommen überlegen, ob sie das Lebenswerk des Vaters oder der Mutter unter Umständen sogar in erster Linie einmal in der Familie behalten und eventuell noch etwas ausbauen wollen. Eine Familiensammlung als alternative Wertanlage, fein säuberlich aufbewahrt, im Gedenken an den ursprünglichen Sammler oder die ursprüngliche Sammlerin, hat die gleich hohe Bedeutung wie das Familiensilber. Wir alle kennen den berühmten Werbespot einer wunderbaren Uhrenmanufaktur: «Man erfreut sich ein Leben lang daran, aber eigentlich bewahrt man sie schon für die nächste Generation auf!»
Honegger Philatelie AG Schmerikon, November 2025

